Photographie: Von allen Umwegen (lies: künstlerischen Darstellungsformen) der direkteste, und unter allen kurzen Wegen der komplizierteste. Die Luftlinie der Photographie, so könnte man sagen, täuscht. Das Werk von Ralf Raßloff hat Maß und Mittelpunkt in einem Unerreichbaren, nicht zu Fassenden, nämlich im Menschen, also demjenigen sozialen Wesen, welches nicht zur Natur zurück kann, dafür im Gegenzug vermag, genau davon zu träumen, zu schwärmen, zu fabulieren, davon betroffen zu sein und zu trotzen. Er ist nicht imstande, nicht darzustellen (Octavio Paz), auch sich selbst nicht. Sollte in diesem Sinne „Authentizität“ eine pulverlose Worthülse sein, durch den inflationären Gebrauch bis ins Informationszeitalter eingedrungen, müssen dennoch Rückschlüsse auf ihren ursprünglichen Inhalt möglich sein, muss es Schmauchspuren geben. Die Untersuchung der Umstände und der Orte – vorrangig der menschlichen Gestalt, hier in Textilien gehüllt, dort unbekleidet – an denen Identität durchbricht, irgendwo in dem Restraum zwischen ihrer Überprüfung und ihrer Kodifizierung, zwischen den Beanspruchungen durch Norm und Ideal und Fremd- und Selbstkontrolle und deren Verlust, nimmt ihren Lauf.
Ralf Raßloff, 1965 in Mülheim/Ruhr geboren und ebendort tätig, studierte – als bereits ausgebildeter Flach- und Hochdrucker – von 1992 und 2000 Kommunikationsdesign (Schwerpunkt Fotografie/Film) bei Prof. Herta Wolf und Prof. Bernhard Prinz an der Universität-Gesamthochschule Essen. Sein Schaffen wurde unter anderem prämiert mit dem Sonderpreis zum internationalen Lucas-Cranach-Preis (Kronach) und zuletzt mit dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft 2025 (Mülheim/Ruhr). Als Dozent für Fotografie ist er an diversen Bildungseinrichtungen im Ruhrgebiet tätig.
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