Seit 2002 lässt Alexander Braun,
1966 in Dortmund geboren, im Rahmen eines konzeptuellen
Joint-ventures »Retablos« in Mexico City
malen. Retablos sind die mexikanische Variante von
im katholischen Kultusbereich geläufigen Votiv-Tafeln,
also gemalten Danksagungen von Gläubigen an
eine bestimmte Heiligen-Figur. In Mexiko hat sich
diese Tradition in den letzten Jahrzehnten auf anarchische
Weise transformiert, dass dort heute alle Themen
des Alltags in den Retablos vorkommen, auch solche,
die der katholischen Morallehre zutiefst zuwiderlaufen:
Homosexualität, Ehebruch, Alkoholismus etc.
In Alexander Brauns ersten Einzelausstellung in der Galerie Frank Schlag & Cie.
zeigt der Künstler zum ersten Mal eine Serie von neuen Retablos aus 2008
und 2009, die alle von Alfredo Vilchis nach den inhaltlichen Vorgaben von Alexander
Braun mit Ölfarbe auf Blech gemalt worden sind. Alfredo Vilchis gilt spätestens
seit einer Ausstellungs-Tournee durch französische Museen 2003/04 und einem
einstündigen Feature auf ARTE als der wichtigste »Retablero« Mexikos,
der diese Tradition lebendig erhält und weiter entwickelt. Eine Tradition,
die im westlichen Kunstkontext zum ersten Mal in den 1930er Jahren durch die
Adaption ihrer archaischen figurativen Bildsprache in den Bildern Frida Kahlos
auftauchte.
Die Ausstellung wird vom 25. September bis zum 23. Oktober 2009 in der Galerie
Frank Schlag & Cie. in Essen zu sehen sein.